Im Evangelium hören wir immer wieder, dass Menschen voller Hoffnung zu Jesus kommen. Sie erwarten sich von ihm ein gutes Wort, einen Segen oder Heilung von ihrer Krankheit. In dem Abschnitt, den wir eben aus dem Markus-Evangelium gehört haben, ist es etwas anders. Es geht zwar um die Heilung eines Gelähmten, doch liegt der Akzent der Perikope zunächst nicht auf dem Kranken, sondern auf denen, die ihn zu Jesus bringen, Freunden oder Nachbarn des Kranken. Für unseren Anlass möchte ich sie vergleichen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern einer Pfarre oder eines Caritas-Kreises. Vergegenwärtigen wir uns zunächst die vom Evangelisten geschilderte Situation. Es spricht sich herum, dass Jesus da ist, die Leute strömen in Scharen zu dem Haus, in dem er sich befindet. Die Chance, nahe an ihn heranzukommen, ist schon für einen Gesunden nicht sehr groß. Noch weniger besteht sie daher für einen Gehbehinderten. Der Gelähmte hat, wie es scheint, alle Hoffnung auf Heilung aufgegeben- seine Freunde jedoch nicht. Sie haben viel von Jesus gehört und sind davon überzeugt, dass er der Einzige ist, der hier noch helfen kann. Also muss der Gelähmte zu Jesus- koste es, was es wolle. Wenn es nun durch die Menschenmenge nicht möglich ist, zur Türe oder zu einem Fenster des Hauses vorzudringen, dann bleibt noch der Weg über das Dach. Durch die im Mittelmeerraum übliche Bauweise ist es nicht all zu schwer, auf das Dach eines Hauses zu steigen, in dieses ein Loch zu schlagen und den Gelähmten durch dieses in den Wohnraum hinunterzulassen. Die »Träger der Bahre« gehen dabei kein geringes Risiko ein. Besitzstörung, Sachbeschädigung und Fahrlässigkeit ist dabei das Mindeste, was man ihnen nach heutiger Gesetzeslage vorwerfen könnte. Doch das Wohl eines Mitmenschen, der sich offensichtlich bereits selbst aufgegeben hat, rechtfertigt in ihren Augen so ein ungewöhnliches Vorgehen. Dieses Vorgehen ist zudem Ausdruck ihres festen Glaubens: Jesus wird helfen.
Jesus bestätigt den Glauben der »Träger der Bahre«, indem er dem Gelähmten die Vergebung seiner Sünden zusagt. Ihr Vertrauen ist für ihn ausschlaggebend um zu helfen, ihr Vertrauen, das nicht aus Worten, sondern aus ihrer kreativen Art zu helfen spricht, durch die sie tun, was der Gelähmte nicht mehr tun kann: Jesus um etwas zu bitten. Das Vorgehen der »Träger der Bahre« verbindet diese mit uns. In unserer Pfarre, im Caritaskreis, üben wir Tätigkeiten aus, die ihrer ähnlich sind. Sie helfen einem Menschen, der sich selbst nicht mehr helfen kann, sei es aus Solidarität, aus Mitleid oder aus tiefem Glauben. Sie lassen sich dabei auch nicht von unerwarteten Schwierigkeiten entmutigen. Weil es »Träger der Bahre« gibt, erfährt ein Mensch, der auf die Schattenseite des Lebens gefallen ist, die helfende und heilende Nähe Gottes. Der Gelähmte erfährt diese an seiner Bahre. Jene, denen wir helfen, erfahren sie in ihrem Alltag und in ihrer Lebenswelt. Nachdem die »Träger der Bahre« ihren Dienst getan haben, hören wir von ihnen nichts mehr. Sie haben ihre Aufgabe erfüllt, der Gelähmte kann wieder mit eigenen Füßen gehen, er braucht sie nicht mehr. Die Helfer haben ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und, wie es im heutigen Sprachgebrauch heißt, Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Sie können sich über das freuen, was geschehen ist und mit den anderen Gott preisen.
Diese Heilungsgeschichte lässt uns auch erspüren, was Jesus bewegt, wenn er einem Menschen begegnet, der so tief in seine Probleme verstrickt ist, dass er sprachlos und handlungsunfähig geworden ist, sich selbst aufgegeben hat und nur noch mit sich geschehen lässt. Solch ein Mensch ist nicht nur physisch krank, sondern verletzt bis in sein Innerstes. Diese Tiefen des Menschseins sprich Jesus an, wenn er zu dem Gelähmten sagt: »Deine Sünden sind dir vergeben.« Jesus lässt den Gelähmten spüren, dass ihn Gott zunächst so nimmt, wie er ist, mit allem, was ihn belastet, mit allen Querschlägen des Lebens, die ihn zu dem gemacht haben, was er jetzt ist, mit allem, was er aus eigener Schuld zu seiner Situation beigetragen hat. All dieses Belastende aber gehört der Vergangenheit an. Jetzt beginnt das Leben neu. Da geschieht, was unmöglich erschienen ist. Der Gelähmte spürt wieder Kräfte und tut, was Jesus sagt. Er steht auf und macht sich auf den Weg nach Hause. Zunächst noch wortlos; später kann er vielleicht wieder reden. Jesus vereinnahmt den nach langer Krankheit Geheilten nicht, sondern gibt ihm zuerst Zeit für sich. Er soll wieder zu sich selbst kommen, sich in seinen Lebensraum hineinfinden, die Probleme, die die lange Krankheit gebracht hat, aufarbeiten, Beziehungen, die gelitten haben, neu ordnen. Durch diese Behutsamkeit Jesu zeigt sich Gott, dem es nicht um die eigene Ehre geht, sondern um den Menschen. Der Geheilte und alle, die diese Heilung miterleben, erleben, dass sich Vertrauen auf Gott lohnt. Er »ist da« (wie es das hebräische »Jahwe« besagt), »er rettet« (Jesus-Jehoschua-Gott rettet), und dies auf eine Weise, die niemanden vereinnahmt oder überfordert.
Als Christen sind wir dem Evangelium verpflichtet. Im Sinne Jesu möchten wir für Menschen da sein, interessiert sein für das, was ihr Leben prägt und bewegt, und offen sein für ihre Fragen und für ihr Suchen. Ihre Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte können wir zwar nie restlos erfüllen, doch ist dies kein Grund untätig zu bleiben. Wir, die »Träger der Bahre« aller »Gelähmten« um uns herum, starren nicht regungslos auf Not, Probleme oder verfahrene Situationen, sondern tun, was in unseren Kräften steht und schöpfen alle unser Möglichkeiten aus um zu helfen. Was über unsere Kräfte geht, können wir dann voll Vertrauen Jesus vor die Füße legen. Er sieht tiefer als wir. Er wird ergänzen, was wirklich noch fehlt.
Herr Jesus Christus, wer auf dich sein Vertrauen setzt, wird nicht enttäuscht. Darum bitten wir heute:
Für alle, die in sozialen Diensten tätig sind:
A: Stärke und begleite sie
Für alle, die in der Sozialpolitik Verantwortung tragen:
Für alle, die sich um andere Menschen kümmern:
Für alle, die in ihrem Leben wenig Liebe und Vertrauen spüren:
Für alle, die nicht wissen, wie es in ihrem Leben weitergehen soll:
Für alle, die über die Kirche und ihre Caritaseinrichtungen verärgert sind:
Für alle, die geben ohne Dank und Gegenleistung zu erwarten:
Herr Jesus Christus, füge unserem Bemühen hinzu, was ihm noch fehlt, und vollende das gute Werk, das du in uns begonnen hast. Amen.
Vorzubereiten: Lieder, Kinderbibel, Bilder mit Händen, Hände aus Karton ausgeschnitten (ausreichend für alle Kinder), Stifte.
Parallel zum Wortgottesdienst kommen die Kinder in einem geeigneten Raum zum Kinderwortgottesdienst zusammen. Zunächst werden die Bilder aufgelegt, die verschiedene Hände, Gesten oder Handgriffe gezeigt und besprochen. Was tut welche Hand? Gutes oder Böses? Aus der Kinderbibel wird das Evangelium von der Heilung des Gelähmten vorgelesen. Gespräch darüber: Wir haben von Jesus gehört, der Gutes tut. Wer tut in diesem Evangelium auch noch Gutes? Warum tun die »Träger der Bahre« Gutes? Warum tut Jesus Gutes? Was können wir Gutes tun?
Jedes Kind erhält eine Hand aus Karton und schreibt darauf (lässt darauf schreiben, malt darauf), was es Gutes tun kann. Bei der Einleitung zur Kollekte darauf eingehen. Die Kinder legen die Papphände zum Altar.
Passende Lieder (Liederbücher): Liebt einander, helft einander; Pass auf, kleines Auge; Wenn einer sagt, ich mag dich gern; Tragt in die Welt nun ein Licht.
Guter Gott, Du hast uns Hände gegeben, die wir zu vielen Dingen brauchen. Du hast uns Füße gegeben, mit denen wir gehen und laufen können. Lass uns mit unseren Händen und Füßen immer Gutes tun. Amen.
Lieber Gott, Dein Sohn Jesus ist zu uns gekommen und hat den Menschen viel Gutes getan. Er ist unser Vorbild. Daher wollen auch wir Gutes tun. Hilf uns dazu. Amen.
Lieber Jesus, Du hast den Gelähmten geheilt, weil Menschen an Dich glauben. Wir bitten Dich:
Für alle, die anderen helfen…; für alle Kranken…; für alle, die Hilfe brauchen…; (die Kinder auffordern, Anliegen zu nennen) Herr Jesus, wir danken Dir, dass es Menschen gibt, die anderen immer wieder helfen und dass auch Du uns immer hilfst. Amen.
Antwort auf die Bitten: Liederbücher (Ich bitte, wir bitten, Herr erhöre uns)
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