Katrin und Steffi sitzen auf den Altarstufen.
Katrin Steffi, ich wäre so gerne Thomas.
Steffi schaut sie erstaunt an
Wie, willst du lieber ein Junge sein? Bist du nicht gerne ein Mädchen?
Und warum gerade Thomas? Der ist doch immer so frech zu uns Mädels.
Freitag hat er mir noch ein gegessenes Kaugummi auf meinen Stuhl in der Schule geklebt. Einfach eklig, der Thomas.
Katrin Ach, ich meine doch nicht den Thomas aus unserer Klasse.
Hast du nicht gehört, der Pastor hat gerade eine Geschichte vorgelesen, in der ein Thomas vorkam.
Steffi Kann sein. Ich habe da nicht so richtig zugehört. Biblische Geschichten finde ich nicht so spannend.
Katrin Ich schon. Und bei der Geschichte hast du was verpasst.
Ich finde auch, dass Steffi bei dem heutigen Evangelium etwas verpasst hat.
Ich bin überzeugt, ihr habt besser zugehört.
Erzählt doch mal, was ihr von der Geschichte mit Thomas behalten habt. Und Steffi hört jetzt auch richtig zu. (Kinder erzählen lassen)
Steffi Ja, und? Was ist denn an der Geschichte so spannend? Manchmal hast du schon einen komischen Geschmack, Katrin.
Katrin Bleib doch mal ernst, Steffi. Im Religionsunterricht wird uns viel von Gott erzählt, der Pastor hat uns an Ostern erzählt, dass Jesus von den Toten auferstandenen ist.
Und ehrlich gesagt, mir fällt das ziemlich schwer zu glauben. Das ist alles so schwer vorstellbar.
Steffi Ja und? Warum interessiert dich das so? Ich finde Reli langweilig, das macht gar keinen Spaß, diese alten Geschichten von Gott und Jesus.
Komm, lass uns was spielen! Das ist viel lustiger. Sei keine Spaßbremse.
Katrin bleibt sitzen und schaut sehr nachdenklich aus
Steffi Komm schon. Auf geht's? Was ist los mit dir?
Katrin Du weißt doch, dass meine Oma gestorben ist.
Ich vermisse sie so sehr.
Ich will nicht, dass sie tot ist.
Mein Opa sagt, dass er auch traurig ist, aber dass er sich ganz sicher ist, sie bei Gott wiederzusehen.
Steffi Das mit deiner Oma tut mir leid. Aber was hat das mit Thomas zu tun?
Katrin Mein Opa ist sich sicher, dass Oma bei Gott weiterlebt.
Ich kann das aber irgendwie nicht glauben.
Ich war doch selber dabei, als der Sarg mit ihr in das Grab gelegt wurde.
Wie soll sie dann weiterleben?
Steffi Ich weiß auch nicht, ob ich an das ewige Leben bei Gott glauben soll.
Sie schweigt einen Moment.
Katrin Eben, und deshalb wäre ich gerne Thomas, der Thomas, von dem die Bibel uns heute erzählt hat.
Steffi Ich verstehe überhaupt nichts. Irgendwie redest du etwas wirr daher.
Katrin Denk doch mal nach.
Der Thomas hat auch nicht geglaubt, dass Jesus lebt.
Und dann hat Jesus ihm geholfen. Thomas durfte Jesus anfassen. Und dann war Thomas alles klar. Er konnte jetzt richtig glauben.
Steffi jetzt ganz ernsthaft und leise
Jetzt verstehe ich. Du möchtest auch so gerne glauben können, dass deine Oma bei Gott weiterlebt. Und deshalb wärst du gerne Thomas.
Katrin nickt
Genau, aber ich bin nicht Thomas. Ich kann meine Oma nicht anfassen wie Thomas den Jesus.
Liebe Kinder, liebe Gottesdienstgemeinde,
Katrin kann natürlich ihre Oma nicht anfassen so wie der Thomas den Jesus. Sie würde es aber gerne tun können, um wie Thomas an die Auferstehung glauben zu können.
Ich muss ehrlich sagen, manchmal wünschte ich mir auch, solche Beweise für das ewige Leben wie Thomas zu haben. Dann wäre es vielleicht einfacher, bei Trauerbesuchen von der Auferstehung zu erzählen und die Trauernden überzeugen zu können. Aber auch ich bin leider nicht Thomas, sondern »Carsten« (eigenen Namen einfügen).
Allerdings so ein bisschen von dem Glück des Thomas habe ich schon. Denn ich kenne Menschen, die ganz überzeugt davon sind, dass es Gott gibt und dass dieser Gott den Verstorbenen neues Leben im Himmel schenkt.
Als ich noch klein war- ich war gerade im sechsten Schuljahr- da ist meine Oma gestorben. Ich war ganz traurig, weil meine Oma so nett war, und sie hat mir immer viele Geschichten vorgelesen. Auch Geschichten aus der Bibel. Meine Oma liebte die Geschichten in der Bibel. Sie kannte viele auswendig.
Und sie hat mir oft von einem Onkel erzählt, den ich nie kennengelernt habe, weil der schon als Kind gestorben ist. Und sie hat immer wieder erzählt, dass er jetzt bei Gott ist und sie ihn, wenn sie mal tot ist, wiedersehen wird.
Als ich nach dem Tod meiner Oma mal wieder ein paar Tage zu meinem Opa durfte, da habe ich ihn gefragt, ob er auch glaubt, dass Oma ihren Sohn jetzt wiedersieht. Mein Opa war davon überzeugt. Und er glaubte, dass er seine Frau auch wiedersehen wird. Er war sich da wirklich sicher.
Da mein Opa ein toller und kluger Mensch war und da ich schon als Kind spürte, welches Vertrauen er in Gott setzt und wie ihm der Glaube hilft, mit dem Tod meiner Oma umzugehen, habe ich angefangen, ihm und meiner Oma zu glauben.
Und mein Glaube ist so gewachsen und mir so wichtig geworden, dass ich jetzt anderen davon erzähle, und wer weiß: Vielleicht glauben sie mir auch, eben wie ich meinem Opa und meiner Oma damals geglaubt habe.
Steffi schweigt
Katrin Was ist Steffi? Warum redest du nicht weiter?
Steffi Hm, wie soll ich sagen. Vielleicht hat der Pastor doch recht. Irgendwie war das überzeugend, was er von seinen Großeltern erzählte.
Katrin Ja, stimmt. Irgendwie erzählt er so hoffnungsvoll, dass ich ihm vielleicht auch glaube.
Steffi Und Katrin, dein Opa ist doch total nett. Ich mag ihn.
Katrin Das freut mich.
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