Modelle und Anregungen für alle, die Gottesdienste vorbereiten

Abonnement Hefte

Gratis-Ideen aus dem Heft

02.12.2018 - 1. Adventssonntag§02.12.2018

Wort Gottes-Feier am 1. Adventssonntag

Material: Prozessionskerze, geschmückter Leuchter für die Prozessionskerze, Dochte zum Anzünden der Kerzen.

Gestaltung des Raumes: Der Leuchter für die Prozessionskerze wird deutlich sichtbar im Altarraum aufgestellt, die Kerzen am Altar und im Kirchenraum werden nicht entzündet, der Kirchenraum bleibt möglichst im Dunkeln, falls elektrisches Licht nötig ist, dann so sparsam wie möglich.

1Alle Lichtdanksagung

Bei der Einzugsprozession trägt Gl. die brennende Prozessionskerze und Lek. das Lektionar, dazu: Orgelspiel (z.B. Improvisation von GL 225).

2Gl Im Altarraum angekommen:

GL 659,1: Im Namen unseres Herrn Jesus Christus: Licht und Frieden.- Alle Dank sei Gott. (oder gesprochen)

Die Prozessionskerze wird auf den Leuchter gestellt. Mit ihrem Licht werden zunächst die Kerzen am Altar, dann alle anderen Kerzen im Gottesdienstraum angezündet. Das Lektionar wird auf den Ambo gelegt.

3Alle Während die Kerzen angezündet werden, wird folgendes Adventslied gesungen:

GL 233 »O Herr, wenn du kommst«

4Gl Wir erwarten die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus, durch den sich das Wort Gottes erfüllt.- Alle Amen.

Wir stehen auf und blicken zum Himmel,

wir erwarten, dass sich das Wort Gottes ereignet,

wir erwarten Jesus, das Heil der Welt.

Du, Jesus, bist das Wort,

das in unseren Herzen aufleuchtet,

das alles Dunkel vertreibt,

Hoffnung schenkt und Heil wirkt.

Du, Jesus bist das Licht,

das die Welt erneuert

und das Reich Gottes wachsen lässt,

damit Gottes Gerechtigkeit aufstrahlt.

Wir preisen dich, du unser Retter,

jetzt und in Ewigkeit.

Alle Amen.

6Lek Erste Lesung: Jer 33,14-16

7Kan Psalm: GL 142 / Ps 25,4-5.8-9.10 u. 14 (R:1)

8Lek Zweite Lesung: 1Thess 3,12- 4,2

9Kan Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.

Erweise uns, Herr, deine Huld,

und gewähre uns dein Heil.

Halleluja.

10Gl Evangelium: Lk 21,25-28.34-36

11Gl Auslegung

Nach dem Evangelium wird zunächst die erste Strophe des Liedes »Mit Ernst, o Menschenkinder« gesungen. (In den Regionalteilen des Gotteslobs mit unterschiedlichen Nummern zu finden).

Liebe zum ersten Adventssonntag versammelte Menschenkinder,

wir stecken in diesen Tagen in einem seltsamen Spannungsfeld, widersprüchlich und hochemotional. Advent, das bedeutet für die meisten Menschen in Deutschland »Vor-Weihnachtszeit«, gefolgt vom Höhepunkt der Festtage und dem Silvesterspektakel. Volksbräuche vermischen sich mit religiösen Ritualen und einige Radiosender bringen »Jingle bells« und »Let it snow«, während draußen herbstliches Regenwetter die letzten Blätter von den Bäumen fegt und am Boden aufweicht. Allüberall in den Zentren der Städte finden sich glitzernde Illuminationen und künstliche Tannenbäume, die das Kaufverhalten der Massen vor der Jahresbilanz günstig beeinflussen sollen.

*

Und hier, in der Kirche, ist bereits ein neues Jahr angebrochen. Das Kirchenjahr beginnt nicht mit einem Feuerwerk, sondern soll mit Besinnung und Buße, Einkehr und Umkehr begrüßt werden. Der Altarschmuck ist sparsam, das Licht reduziert, denn es wird ja erst an Weihnachten sichtbar zur Welt kommen und in

unserem Gottesdienst aufscheinen! Wir sollen uns im Warten, im Er-warten üben, uns in der Stille vorbereiten.

»Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt«- so haben wir eben gesungen, dazu sind wir hier, im christlichen Binnenraum, aufgefordert. Das klingt nicht nach Gänseschmaus, Glühwein und Geselligkeit auf vielen Vereinsfeiern. Wirkt das Christentum wieder einmal als Spaßbremse, hat es uns nichts weiter zu geben als sittliche Appelle und Moralpredigten?

Vielleicht kennen Sie die Geschichte vom »Ernst des Lebens«? Das originelle, schön bebilderte Buch wird gerne zur Einschulung verschenkt. Es erzählt die Geschichte eines aufgeweckten Mädchens, das den ersten Schultag herbeisehnt und nicht recht versteht, was die Erwachsenen meinen, wenn sie immer wieder mit diesem besonderen Gesichtsausdruck sagen, dass sie dort den »Ernst des Lebens« kennenlernen wird. Gespannt zieht sie mit ihrer großen Schultüte los und folgt der Lehrerin nach der Begrüßungsfeier in die Klasse. In der Pause unterhält sie sich mit einem freundlichen Jungen, der ebenso aufgeregt ist wie sie und mit dem sie sich gleich gut versteht. Sie haben sich viel zu erzählen.

Er verrät ihr auch bald, wie er heißt- und da weiß sie endlich, was es mit dem »Ernst des Lebens« auf sich hat: Er ist sechs Jahre alt- wie sie - und sitzt in der Klasse auf dem Platz neben ihr! Und er wird bestimmt ein Freund fürs Leben!

Der Ernst, zu dem wir aufgefordert sind, soll uns nicht runterziehen und unsere Stimmung dämpfen. Er hat nicht den gefährlich drohenden Unterton, der mitschwingt, wenn jemand sagt: »Jetzt wird's ernst!« Er ist nicht mit dem Zweifel vermischt, mit dem wir hinsichtlich einer Ankündigung fragen: »Allen Ernstes?« Der Ernst, den wir eben im Lied besungen haben, ist ein Freund fürs Glaubensleben. Er ist der Zwillingsbruder der Freude und macht den Unterschied zum Spaß, zur Belustigung und zur guten Laune. Diese fröhlichen Stimmungen sind situationsabhängig, werden durch äußere Faktoren erzeugt und verflüchtigen sich nach einiger Zeit wie der Bratapfelduft auf dem Weihnachtsmarkt. Die ernsthafte Freude bleibt in unseren bereit gemachten Herzen, selbst wenn Kummer und Sorgen den Glanz und die Unbeschwertheit vernebeln.

Die Gemeinde singt die zweite Strophe des Liedes.

In der zweiten Strophe erscheint die Freude an der Seite des Ernstes. Gemeinsam verhelfen diese beiden uns dazu, die holprigen Pfade des Alltäglichen zu ebnen. Mit Ernst und Freude können wir die vermeintlich unvermeidlichen Arbeitsberge abtragen, die Schlaglöcher guter Rat-Schläge und ambitionierter RundumSchläge mit ermutigenden Worten und freundlichem Lächeln verfüllen und so den Weg ebnen.

Der Ernst an der Seite der Freude erinnert uns daran, dass jeder Moment zählt. Jeder Tag unseres Lebens bietet eine Vielzahl von Wahlmöglichkeiten und Gelegenheiten, sich zu öffnen oder zu verschließen, sich einzuschalten oder auszuklinken, auf andere Menschen zuzugehen oder sich rauszuhalten. Der wunderbare Held, auf dessen Besuch das Adventslied hinweist, erscheint als ein kleines, schutzbedürftiges Kind. »Mehr nicht?«- könnte man fragen. Wozu dann die ganze Vorbereitung? Weil in jedem Menschen das göttliche Licht zu finden ist. Nicht nur in den Auserwählten, den Engeln und Heiligen- auch in jedem von uns. Wir bereiten den Weg für die Ankunft des Göttlichen, wenn wir dieses Licht in uns zum Leuchten bringen.

»Ich bin keine große Leuchte!«, könnte jetzt vielleicht manch einer denken. »Ich habe dazu nichts beizutragen!« Das ist ein Irrtum!

*

Der große Gast, den wir erwarten, hat eindringlich dazu aufgefordert, das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern auf einen Leuchter, damit es in der Dunkelheit weithin sichtbar ist. Er hat dabei nicht infrage gestellt, ob und unter welchen Umständen wir Lichtträger sind. Er hat mit göttlicher Weisheit und Autorität gesagt: »Ihr seid das Licht der Welt!« Das ist viel mehr als die vorweihnachtliche Beleuchtung in unseren Straßen und Häusern. Das ist eine ernste Angelegenheit und eine große Freude, eine Zusage und ein Auftrag!

Wir sind das Licht der Welt, nicht nur Menschenkinder, sondern Gottes erwachsene Töchter und Söhne. Wenn es in unseren Herzen adventlich zugeht, wenn wir Gott selber erwarten, dann geht uns ein Licht auf und wir werden mündig und wirksam. Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund. Die seltsame vorweihnachtliche Welt wartet auf unsere ernsthaften, freudigen Worte. Amen.

Die Gemeinde singt die dritte Strophe des Liedes.

13Alle Schuldbekenntnis

Gl Gott, du berufst uns, Licht für die Welt zu sein. Aber oftmals schweigen wir lieber, als dein Reich zu verkünden. Wir stimmen ein in die murrende Kritik an Welt und Kirche, anstatt von unserer Hoffnung zu erzählen.- Bedenken wir in einem Moment der Stille, was die Freude in unseren Herzen verlöscht:

Gl Erbarme dich, Herr, unser Gott, erbarme dich.

Alle Denn wir haben vor dir gesündigt.

Gl Erweise uns, Herr, deine Huld.

Alle Und schenke uns dein Heil.

Gl Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zu ewigen Leben.

Alle Amen.

14Gl Friedenszeichen

Jesus sagt: Meinen Frieden gebe ich euch. Wo wir diesen Frieden annehmen, wird Hass und Feindschaft überwunden.

Geben wir einander ein Zeichen dieses Friedens.

15Gl Kollekte

Frieden ermöglichen heißt auch: Miteinander teilen … (Ansage des Kollektenzwecks).

16Alle Lobpreis: GL 670 H

17 Fürbitten

Gl Erheben wir unsere Stimme zu Gott, der die Herzen der Menschen kennt:

Lek Am Beginn der Adventszeit bitten wir dich: Vereine alle Christen in der Hoffnung auf dein Kommen.

Am Beginn des Kirchenjahres bitten wir dich: Versöhne die Völker miteinander und schenke der Welt deinen Frieden.

Auf dem Weg durch die Zeit bitten wir dich: Lass dein Volk zum Licht für alle Menschen werden.

Am Ende unseres Lebens bitten wir dich: Komme uns entgegen und nimm uns auf in deine Herrlichkeit.

Gl Denn du wirst wiederkommen in Herrlichkeit. Dir singen wir den nie endenden Lobpreis. Amen.

18Gl Vaterunser

Lasst uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:

Vater unser…

19Alle Danklied: GL 221

20Lek Schlussmeditation

Die Meditationen der Adventszeit können durch das vorgeschlagene Bild veranschaulicht, vertieft und miteinander verbunden werden.

Ein langes blaues Tuch vor dem Altar zu einer Spirale von innen nach außen auf den Boden legen. In den Zwischenräumen der Spirale sieht man noch den Boden. Am Ende der Spirale wird eine große Kerze gestellt (Kerze für den 1.Advent). Weiter innen auf dem blauen Tuch wird eine große Wolke gelegt (z.B. aus Watte oder Wolle).

Ich richte meinen Blick auf in den Himmel,

er, dessen Gegenwart ich spüre,

er wird auf die Erde kommen.

Ich erhebe mein Haupt,

er, der immer da ist,

er kommt zurück.

Ich freue mich,

Herr, Erlöser,

komm!

Helga Jütten

21Gl Segensbitte

So wollen wir den Herrn um seinen Segen bitten:

Gott lasse uns wachsen in der Gnade und in der Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus, jetzt und in Ewigkeit.

Alle Amen.

Und der Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme auf uns herab und bleibe bei uns allezeit.

Alle Amen.

22 Entlassung

Gl Singet Lob und Preis.

Alle Dank sei Gott, dem Herrn.

Helga Jütten / Regina Groot Bramel (Predigt)