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01.11.2017 - Allerheiligen

Wo ich bin, sollt auch ihr sein – Andacht zum Gedenken an die Verstorbenen – Für alle

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Lied: GL 503 (Mitten im Leben)

Einführung

Wir sind hier zusammengekommen, um für die Verstorbenen des zurückliegenden Jahres zu beten. Wenn jemand aus unserer Mitte verstorben ist, bewegt uns Vieles. Trauer, Erleichterung, Ärger, Wut, … Wir spüren, dass er eine Lücke hinterlässt, mit der umzugehen wir erst lernen müssen. Fragen stellen sich: Was ist mit dem Verstorbenen geschehen? Wer befindet über sein Leben? Wo ist er jetzt? - und andere. Auf die Letztere antwortet der Glaube: in der Nähe Gottes. Doch wie kann man sich das vorstellen? Wir versuchen, diesen Fragen und Gedanken nachzugehen und für unsere Verstorbenen und auch für uns zu beten.

Gebet

Ewiger Gott! Wir sind zerbrechliche und vergängliche Menschen. Doch hat uns dein Sohn nach diesem Leben eine ewige Wohnung verheißen. Gib unseren Verstorbenen Heimat bei dir und stärke alle, die noch dahin auf dem Weg sind, im Vertrauen dass du unser Leben begleitest. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Evangelium: Joh 14,2-6

Gedanken zum Evangelium

Jesus spricht hier vom Sterben eines Menschen. Er tut dies aber mit ganz anderen Worten, als wir dies tun: Er spricht nicht vom schmerzlichen Abschied, von der letzten Stunde, einer großen Trennung. Er spricht vom Kommen und Gehen, vom Holen und Wohnung nehmen. In der kirchlichen Tradition sind diese Worte immer wieder reflektiert worden. Einen schönen Niederschlag haben sie gefunden in der christlichen Kunst des Mittelalters - in der Buchmalerei, auf Glasfenstern, als Tafelbild oder Relief auf Altären. Ich versuche, Ihnen so ein Bild zu beschreiben. Es handelt sich um die Darstellung des Todes der Gottesmutter Maria. Dargestellt ist ein Innenraum. Wir können ihn vergleichen mit einer Aufbahrungshalle oder einer Friedhofskapelle. Dort, wo in der Aufbahrungshalle der Sarg mit dem Verstorbenen steht, sehen wir auf den Darstellungen ein Bett, in dem die soeben verstorbene Maria liegt. Ähnlich wie wir um den Sarg stehen, stehen um das Totenbett Marias die Apostel. Sie sind gewissermaßen ihre Angehörigen. Ihnen geht es wie uns bei der Beerdigung: Die Apostel müssen sich mit dem Tod eines Menschen auseinandersetzen, der ihnen viel bedeutet hat. Sie denken darüber nach, sie flüstern sich etwas zu, sie sinnieren vor sich hin, sie weinen, sie beten.
Wo ist der Verstorbene jetzt? Wie wird das Leben ohne ihn weitergehen? Wie soll die Lücke, die er hinterlässt, geschlossen werden? Warum musste er sterben? Warum hat Gott dies zugelassen? Warum konnte niemand helfen,…?
Während nun die Apostel ihren Gedanken nachgehen, tritt Jesus an das Bett Mariens. In seinen Händen hält er ein kleines, in Windeln gewickeltes Kind, das die Gesichtszüge der soeben verstorbenen Maria trägt. In einer Situation, wo wir noch keinen klaren Gedanken fassen können, ist er da und tut, was sein Name sagt: Er rettet. Jesus, das hebräische Jehoschua heißt auf Deutsch: Gott rettet. Jesus ist da, er ist dann da, wenn die Menschen nichts mehr füreinander tun können, wenn jeder auf sich alleine angewiesen scheint: im Augenblick des Todes, und holt ihn ab in eine andere Wohnung. Jesus ist da - gleich, wo jemand stirbt oder wie jemand stirbt: in seinem Bett, bei einem Unfall, friedlich oder auch nicht. Der Sterbende fällt nicht in einen bodenlosen Abgrund, sondern in die Hände Jesu. Wer aber so eng mit Jesus verbunden ist, dem steht neues Leben offen. Das sagt uns das Symbol des Kindes. Im Blick auf ein Kind sagen wir, ihm stehen alle Möglichkeiten der Welt offen. Wer in die Hände Jesu gefallen ist, dem steht die Zukunft offen: eine neue Welt, eine vollkommenere Welt, »das Haus des Vaters«. Wir sehen nun diesen Menschen in den Händen Jesu. Er hält ihn uns entgegen. Nutzen wir diesen Augenblick nochmals zu einem Gespräch in Gedanken mit ihm!

Woran erinnern wir uns? Was war für den Verstorbenen typisch?
Möchten wir ihm noch etwas sagen, was wir ihm vor seinem Tod nicht mehr sagen konnten?
Sind wir ihm etwas schuldig geblieben - eine Anerkennung, eine Entschuldigung? Eine Erklärung?
Was können wir von ihm lernen? Gutes, Vermeidbares, Nachahmenswertes,…
Ein persönliches Wort…

Stille oder - wenn die Situation es erlaubt - die Anwesenden zu einem Gedankenaustausch einladen!

Lied: GL 506 »Gott, wir vertrau'n dir diesen Menschen an«

Bitten und Dank

(Anregungen - auswählen, umformulieren oder ergänzen!)

Wir beten jetzt für die Verstorbenen des zurückliegenden Jahres und schließen auch andere Anliegen und Bitten mit in unser Gebet ein.

Bitten für die Verstorbenen

Herr, unser Gott, nimm unsere Verstorbenen auf in deine Nähe und schenke ihnen Wohnung und Heimat bei dir.

A: Wir bitten dich, erhöre uns.

Lass sie in deiner Nähe ewig glücklich sein.

Nimm von ihnen alles, was sie von dir noch trennt. Vergib, was an ihrem Leben offen geblieben ist, und vollende, was noch fehlt…

Vergilt du ihnen alles, was sie auf Erden an Gutem getan haben: für die Familie, Freunde und andere Menschen,…

Bitten von Angehörigen und Nahestehenden

Lass uns schätzen und bewahren, was wir ihnen verdanken.

A: Herr, erbarme dich.

Hilf uns mit der Lücke zu leben, die ihr Tod hinterlässt.

Festige uns im Glauben, dass du unser Leben in deinen Händen

hältst.

Wir denken auch an alle anderen verstorbenen Angehörigen und Freunde und an alle, die uns nahestehen:

Stärke alle, die um ihre Verstorbenen trauern, mit der die Hoffnung, die uns unser Glaube schenkt.

Wir bitten für den, der als Nächster aus unserer Mitte … folgen wird.

Bewahre uns vor Gram, Verzweiflung, Schuldzuweisungen und falschen Erwartungen.

Bitten für Sterbende und Verstorbene

Wir bitten für alle, die spüren,

dass sie an das Ende ihres irdischen Lebens angelangt sind.

A: Sei bei ihnen!

Wir bitten für alle, die darauf warten, sterben zu können.

Wir bitten für alle, die sich das Leben genommen haben.

Wir bitten für alle, die zu früh verstorben sind.

Wir bitten für alle ungeborenen Kinder.

Dank

Wir danken allen, die den Mut haben, Sterbenden beizustehen.

A: Vergilt du, was sie getan haben.

Wir danken für alle, die die Geduld zu Betreuung und Pflege aufbringen.

Wir danken für alle, die immer ein Wort des Trostes und der Aufmunterung sagen.

Wir danken für alle, die für Menschen in schwierigen Situationen einfach da sind.

Wir danken für alle, die Menschen in ihrer Trauer begleiten.

Herr, unser Gott, wir danken dir für das Leben unserer Verstorbenen und wissen sie in deiner Nähe. Lass Früchte bringen, was sie gesät haben. Gib uns und allen, die wir in unser Gebet einschließen, die Kraft, unseren Weg zu gehen, bis wir alle in deinem ewigen Licht wohnen. Darum bitten durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Vaterunser

Wir beten das Gebet, das Jesus uns gelehrt hat. Es spricht vom Vertrauen auf den guten Gott:

Vater unser …

Gebet

Lebendiger Gott!

Erhöre unser Gebet für unsere Verstorbenen. Lass uns schätzen und in Ehren halten, was wir ihnen verdanken, und lass heranwachsen, was sie an Gutem gesät haben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Segensbitte

Der liebende Gott, der für uns Menschen da ist, lasse uns seine Nähe spüren. Amen.

Er schenke uns Vertrauen und Zuversicht und allen, derer wir gedacht haben, seine Liebe und Treue. Amen.

Er bewahre uns vor Zweifel und Kleinglauben und beschenke uns mit seinem Segen. Amen.

Lied: GL 657 »Misericordias Domini«

Hanns Sauter